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Die Gemeindevertretung Alberschwende hat in der Sitzung am 13. Juli 2026 Beschlüsse zum Umgang mit Hermann Gmeiner gefasst, insbesondere zum Umgang mit der Büste, der Saalbenennung und der Ehrenbürgerschaft.
Nach den durch SOS-Kinderdorf Österreich veröffentlichten Vorwürfen zu sexualisierter Gewalt durch Hermann Gmeiner hat sich eine Arbeitsgruppe mit dem Umgang mit den Spuren und der Geschichte Hermann Gmeiners in der Gemeinde Alberschwende, seinem Geburtsort, befasst. In einem offenen Prozess wurden Vorschläge zum Umgang erarbeitet. Neben der erinnerungskulturellen Frage des Umgangs mit den Spuren wurden auch Expert:innen zum Thema Kinderschutz und Opferschutz in den Prozess miteingebunden.
Die Geschichte Hermann Gmeiners ist vielschichtig. Für viele Kinder war er Wohltäter, an einigen Täter. Jedes Opfer ist eines zu viel. Die Gemeinde hat sich bewusst und öffentlich einem schwierigen Thema gestellt. Die Verlegung der Spuren und die Distanzierung von den Ehrungen sind keine Aberkennung dessen, was im SOS-Kinderdorf Gutes geleistet wurde. Ebenso wenig ein Vergessen der Verdienste jener Personen, die das SOS-Kinderdorf zur damaligen Zeit gegründet haben. Zugleich bleibt bestehen, was nicht hätte geschehen dürfen. Dies ist das Ergebnis des Aufarbeitungsprozesses zum Umgang mit den Spuren Hermann Gmeiners in Alberschwende.
In Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Alberschwende und dem Heimatmuseum Alberschwende werden die Spuren Hermann Gmeiners aus dem öffentlichen in den musealen Raum verlegt: Hermann Gmeiner Büste, Saalaufschrift, Ausstattung im Saalinneren, Musikbox mit Hermann Gmeiner Lied „Kinder stark machen“ und Geschichtstafeln des SOS-Kinderdorf im Umfeld des Denkmals werden vorerst ins Museumsdepot überbracht. Es wird bewusst auf das Prinzip der Reduktion im öffentlichen Raum gesetzt und Raum für Neues geschaffen. Durch die Auseinandersetzung wurde Bewusstsein geschaffen und sensibilisiert, Erinnerung wird nicht entsorgt.
Dass das Denkmal aus kunstschaffender Sicht Potentiale zur Erinnerung oder zur Bewusstseinsbildung durch Umgestaltung im öffentlichen Raum bieten würde, wurde von der Arbeitsgruppe bedacht. Entscheidend für die Entnahme der Büste aus dem öffentlichen Raum waren schlussendlich die Gegebenheiten und die Perspektive des Ortes. Am Ort des Denkmals bleibt mit der Steinskulptur ein Kunstwerk von Herbert Meusburger. Thema dieser Steinskulptur ist wie in vielen seiner Werke „Trennen und Verbinden“.
Auf Grund der durch SOS-Kinderdorf Österreich veröffentlichten und durch die Reformkommission des SOS-Kinderdorf Österreich aufgearbeiteten Vorwürfe zu sexualisierter Gewalt durch Hermann Gmeiner hat sich die Gemeindevertretung Alberschwende - ungeachtet seiner Verdienste durch Gründung des SOS-Kinderdorf - von der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Hermann Gmeiner distanziert.
Bei der Suche nach einem neuen Namen für den Saal gab es auch die Möglichkeit für die Bevölkerung, Vorschläge einzubringen. Der neue Name wurde nach einem Abstimmungsverfahren in der Gemeindevertretung bestimmt. Der örtliche Veranstaltungssaal wird durch den Beschluss der Gemeindevertretung in „Dorfsaal“ umbenannt.
14.07.2026 15:00